Die Frage nach dem Einkommen gehört zu den häufigsten Fragen rund um tiergestützte Arbeit. Und gleichzeitig gibt es darauf keine einfache Antwort. Denn: Tiergestützte Interventionen sind ein sehr vielfältiges Arbeitsfeld. Einkommen, Arbeitsmöglichkeiten und Honorare hängen stark davon ab, in welchem Bereich gearbeitet wird, welche Grundausbildung vorhanden ist,
wie viel Erfahrung jemand mitbringt und ob selbstständig oder angestellt gearbeitet wird. Tiergestützte Arbeit ist eine Zusatzqualifikation und kein Beruf an sich. Viele Menschen arbeiten tiergestützt nicht ausschließlich als Vollzeitberuf, sondern ergänzend zu ihrer ursprünglichen Profession. Zum Beispiel als:
Pädagog:in
Sozialarbeiter:in
Ergotherapeut:in
Psychotherapeut:in
Coach
Lebens- und Sozialberater:in
Pflegekraft
Trainer:in
Die tiergestützte Arbeit erweitert dabei oft bestehende Angebote und kann die eigene Arbeit deutlich bereichern.
Welche Verdienstmöglichkeiten gibt es?
1. Angestellt in sozialen oder pädagogischen Einrichtungen
Wer bereits in Schulen, Betreuungseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, therapeutischen Settings oder sozialen Organisationen arbeitet, kann tiergestützte Interventionen häufig in die bestehende Tätigkeit integrieren. Das Einkommen richtet sich dann meist nach dem Kollektivvertrag des Quellberufes. Die tiergestützte Qualifikation kann dabei zusätzliche Einsatzmöglichkeiten schaffen, Spezialisierung ermöglichen und das eigene berufliche Profil stärken.
2. Selbstständig mit tiergestützten Angeboten
Viele Fachkräfte entscheiden sich zusätzlich oder vollständig für die Selbstständigkeit. Mögliche Angebote sind vielschichtig, angefangen von Einzelbegleitung bis hin zu Gruppenangeboten, Workshops, Schulprojekten usw.
Die Honorare variieren dabei stark. Je nach Region, Zielgruppe, Erfahrung, Spezialisierung und Setting liegen Einzelstunden oft zwischen etwa 60 und 150 Euro.
Gruppenangebote oder Workshops können entsprechend höher vergütet werden.
Was viele unterschätzen: Tiergestützte Arbeit bedeutet nicht nur „mit Tieren arbeiten“. Dazu gehören auch die Vor- und Nachbereitung, Dokumentation, Weiterbildung
Tierhaltung, Versicherung, Fahrzeiten, Ruhezeiten für die Tiere, Organisation und Planung u.v.m.. Gerade achtsame tiergestützte Arbeit braucht Zeit, Fachwissen und Verantwortungsbewusstsein.
Kann man davon leben?
Ja — unter bestimmten Voraussetzungen.
Besonders dann, wenn bereits eine pädagogische, therapeutische oder soziale Grundausbildung vorhanden ist, klare Spezialisierungen entwickelt werden und
qualitativ hochwertige Angebote entstehen. Viele Menschen starten zunächst nebenberuflich und entwickeln ihre Angebote Schritt für Schritt weiter.
Haltung versus schnelles Einkommen
Wer sich für tiergestützte Arbeit interessiert, merkt meist schnell: Es geht nicht nur um den Verdienst. Viele Menschen erleben die Arbeit mit Tieren als sinnstiftend, verbindend, emotional berührend und persönlich bereichernd. Gleichzeitig benötigt professionelle tiergestützte Arbeit viel Fachwissen, Reflexion, Tierwohlorientierung und eine klare ethische Haltung.
Denn Tiere sind keine „Werkzeuge“, die man benutzt, sondern gleichwertige Partner.
Wie viel man in der tiergestützten Therapie oder Pädagogik verdient, lässt sich also nicht pauschal beantworten. Die Möglichkeiten reichen von ergänzenden Angeboten im bestehenden Beruf bis hin zu selbstständigen tiergestützten Konzepten und eigenen Projekten. Entscheidend sind dabei Qualität, Fachlichkeit, Erfahrung und eine achtsame Haltung gegenüber Mensch und Tier.
Wer tiergestützt arbeiten möchte, sollte deshalb nicht nur fragen:
„Was kann ich verdienen?“
Sondern vor allem auch:
„Wie möchte ich mit Mensch und Tier arbeiten?“ und "Welchen Mehrwert bietet mein tiergestütztes Angebot Mensch und Tier."
