Abschied von einem Fabelwesen

Fabi und ich – das ist irgendwie ein kleines Buch.

Eines, das 14 Jahre lang geschrieben wurde und mit einem scheuen Lämmchen begann, das nichts aus der Hand fressen wollte und mit Clickertraining zahm wurde.

 

Der Abschied war ein langer. Eigentlich begann er schon letzten Dezember – mit Schwäche und unklaren Symptomen, einer schleppenden Erholungsphase und einem wunderbaren, unerwartet guten Sommer, den sie mit ihrer Herde genoss. Fabi war bis zu ihrer Krankheit die Leiterin ihrer Truppe. Nicht, weil sie die stärkste oder durchsetzungsfähigste war, sondern weil sie immer wusste, was sie wollte – und es einfach tat. Man konnte sich ihr anschließen oder eben nicht. Und es schlossen sich immer alle an. Bis zu jenem Dezember.

 

Fabi war immer zurückhaltend, sanft, bestimmt. Gekämpft hat sie um nichts – außer um ihr Leben. Fabi war wichtig. Für alle.

Wie stolz Menschen waren, denen sie ihr Vertrauen schenkte. Die Menschen, die ihr begegnet sind, erinnern sich gut an sie. Fabi hat Spuren hinterlassen. Dieses zurückhaltende Wesen, dessen Kraft im Hintergrund so spürbar war, trug eine Botschaft in sich: leise. klar. Das scheue Schäfchen schloss sich den Menschen so sehr an, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

 

Die Herde trägt Trauer...

 

Und die Herde – das sind wir. Die Schafe, die Hunde, die Menschen, die Besucher. Trauer hat so viele Gesichter.

Sie zeigt sich in Baci, unserem Hütehund, der sich nicht mehr von ihrer letzten Ruhestätte wegbewegen möchte – ihr von Welpenbeinen an vertraut.

 

Sie zeigt sich im Bauxerl, das mit Fabi groß wurde, die ganze Nacht am Gitter stand, als Fabi im Stall in einem separaten Abteil untergebracht war, und das nun alleine im Stall liegt und ihren Platz freihält. Das blinzelnd wegschaut und begreift, dass seine Freundin nicht mehr da ist.

 

Es ist die Herde, die tagelang nicht mehr in den Stall geht und neue Plätze bezieht, an denen sie sich sonst nie aufhält.

Es ist Klara, die nach hinten blickt und wartet, ob Fabi von irgendwoher mitkommt – oder ob wir sie wieder mitgebracht haben.

 

Es ist Heidi, die sich verkriecht, und Klara, die sich dicht neben sie stellt. Für mich ein Zeichen, dass auch Heidi betroffen ist – auch wenn sie sich nicht verabschieden wollte.

 

Es ist Beli, die sich nach mir umdreht und zu fragen scheint: „Was machen wir jetzt?“

Es ist diese betretene Schwere, die sich wie eine Decke über die Herde legt.

 

Und ich weiß: Es wird wieder besser. Aber etwas ist unwiederbringlich fort – Momente, die so nie wiederkehren werden, werden durch neue ersetzt. Doch nichts, was war, ist in jener Form wiederholbar.

 

Liebste Fabi,

 

es gibt keine Worte, die das Paradies beschreiben könnten, das mit dir begann. Wie sehr ich dein süßes Gesicht geliebt habe. Diese verschmitzte Frage: „Gibt’s was Gutes?“ Und in letzter Zeit immer häufiger: „Gibt’s noch was anderes?“

Ich blicke auf unser gemeinsames Leben zurück wie auf einen kostbaren Schatz. Alles scheint so weit weg und lange her.

Ich wünschte, ich könnte noch einmal mit dir und Bauxy unter dem Baum im Schatten sitzen – in der Hängematte, und ihr dösend unter mir. Zu einer Zeit, als ich den Satz träumte: „Das Wünschen ist die stärkste Kraft von allen“ – und Berge versetzte, um meine zu erfüllen. Jedem Anfang liegt ein Zauber inne...und der Beginn gehört ganz euch.

Für alle Zeit.

Leb wohl, mein kleiner Spiegel..

 

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