Tierhaltung = Luxus?

Bereits im Jahr 2007 wurde auf dem Kongress der IAHAIO die Deklaration über das 'grundlegende Menschenrecht, von der Anwesenheit von Tieren zu profitieren' verabschiedet. Seitdem ist viel passiert.

 

Tiergestützte Angebote finden immer mehr Anklang und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. In der Gesellschaft ist vermehrt das Bewusstsein entstanden, dass Tiere eine positive Wirkung auf Menschen haben können.

 

Auf der anderen Seite findet in unserer westlichen Gesellschaft gerade ein Umbruch statt. Durch massiv steigende Lebensunterhaltungskosten sehen sich Tierhalter mittlerweile immer häufiger in wirklich schwierigen Situationen. Allein die Tierarztkosten haben sich in den letzten 5 Jahren fast verdreifacht. Diese Tatsache für sich ist für viele Tierhalter aus sozial schwächeren Schichten eine kleine Katastrophe.

 

Kaum jemand möchte offen darüber sprechen, dass die Versorgung der eigenen Tiere nicht mehr gewährleistet werden kann. Tut man es doch, geht die Community auf Social Media nicht gerade empathisch mit diesen Menschen um. Es ergießen sich Vorwürfe und Anmaßungen über die häufig verzweifelten Tierbesitzer.

 

Dabei verlieren viele aus den Augen, dass es genau jene Menschen sind, die finanziell nicht so großes Glück im Leben hatten, die ein besonders großes Bedürfnis nach Tieren an ihrer Seite haben und denen gerade tierische Unterstützung besonderes viel Halt gibt . Nehmen wir das Beispiel der Obdachlosigkeit, wo viele Menschen auf der Straße den eigenen Hund als einzige "Bezugsperson" erleben. Oder die Mindestpensionärin, deren Katze die einzige ist, die ihre Einsamkeit erträglich macht.

 

Ganz abgesehen von den vielen Lebenshöfen und auch privaten Helfern, die in Not geratende Tiere auffangen - meist auf ihre eigene Kosten. Auch aus Sicht des Tierschutzes stellt diese Entwicklung ein Problem dar. Wenn Haltung und Behandlung unerschwinglich werden, wird eine artgerechte Tierhaltung unwahrscheinlicher - dann werden Tiere, die in Gruppen und Rudeln gehalten werden sollten, beispielsweise wieder gehäuft ein tristes Leben in Einzelhaltung führen. Zum Tierarzt geht man dann, wenn der Hut brennt und nicht schon davor.

 

Ich sehe diese Entwicklung extrem kritisch. Tiere als Luxusartikel, deren Nähe nur noch von einer gewissen gesellschaftlichen Schicht genossen werden kann. Und eine wachsende Zahl von Menschen, die ihre eigenen Tiere bald nicht mehr adäquat versorgen können bzw. auf Tierhaltung ganz verzichten müssen - das könnte ein baldiges Zukunftsszenario sein. Werden diese Menschen unsere neue Zielgruppe in der TGI sein? Ich hoffe es nicht.


Kontakt

Andrea Wiesner

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